Kunst an der Universität Bremen · Muster-Bücher


Muster-Bücher

Standort: Staats- und Universitätsbibliothek, Erdgeschoss (bis Ende der 1990er Jahre)
Künstler/in: Wolfgang Hainke
Datum:1980
Material: Acrylglas

„Die Bücher von heute sind die Taten von morgen.“ Dieses Zitat von Heinrich Mann diente 1978 als Motto für den Wettbewerb zur Gestaltung einer Wandfläche an der Ortsleihe in der Bremer Universitätsbibliothek. Unter 101 eingesandten Entwürfen entschied sich die Jury für das Modell von Wolfgang Hainke.
Der in Ganderkesee lebende Künstler hatte die Cover nationalistischer und nationalsozialistischer Bücher aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Acrylglas reproduziert und zu einem dreiteiligen Wandobjekt montiert. Die Bücher hatte er zufällig auf dem Dachboden seines Wohnhauses gefunden; sie waren dort 1944 vom Vorbesitzer, einem Lehrer, versteckt worden. Die ersten beiden Tafeln zeigten „Bücher von gestern“ und sollten nach Hainke daran erinnern, „was geschichtlich längst Tat-Sache geworden ist.“ Die dritte Tafel bestand aus Leerfeldern und gabt Raum, um das Kunstwerk mit eigenen Interpretationen zu füllen.
Anfang Juli 1980 wurde die Wandinstallation „Muster-Bücher (Bücher ohne Wert)“ der Bremer Öffentlichkeit übergeben. Die Besucher*innen waren wie auch Bibliotheksmitarbeiter*innen sowohl über die historisch-politische Aussage als auch den künstlerischen Wert geteilter Meinung. Der Journalist Herbert Albrecht erklärte in den Bremer Nachrichten: „Diese Visualisierung einer interessanten Idee – wenn man sie denn unbedingt als ‚Kunst’ bezeichnen will, hat jedenfalls ästhetischen Rang und ist außerdem sinnvoll in den Bibliotheksrahmen eingepasst. Daß sie zu Streit und Polemik herausfordern wird oder könnte, ist zu hoffen.“ (BN vom 18.07.1980) Das Foto zeigt die verhüllte Wandinstallation in den 1990er Jahren. Foto: Wolfgang Hainke. - Bitte anklicken!
Eine Auseinandersetzung mit den Bildinhalten war allerdings nur bis Mitte der 1990er Jahre möglich. Die Bibliotheksleitung ließ die Wandtafeln mit einem Vorhang verhüllen und versuchte, ihre Entfernung zu erreichen. Studierenden und Lehrenden der Universität, die versuchten, den Vorhang zu lüften, wurde u.a. erklärt: Das Kunstwerk sei „schwer lesbar“, seine historisch-kritische Aussage werde von den Besuchern der Bibliothek, v.a. ausländischen, nicht verstanden. Außerdem sei es wiederholt von Alt- und Neo-Nazis zu Propagandazwecken missbraucht worden. Darüber hinaus werde der Platz für Ausstellungen gebraucht.
2002 wurde das Kunstwerk im Rahmen von Umbaumaßnahmen abgehängt. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten fand sich in der Bibliothek kein geeigneter neuer Standort, so dass der Künstler schließlich 2008 für eine Überführung in das Magazin der Kunsthalle Bremen sorgte. Dort soll die Installation eines Tages wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.


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