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Kunst an der Universität Bremen · Frauen im Kampf um Frieden und Emanzipation


„Frauen im Kampf um Frieden und Emanzipation”

Standort: Boulevard, Gebäude ZPA
Künstlerinnen: Marlis Glaser, Dorit Hillebrecht, Susanne Klockow und weitere Studentinnen der Universität Bremen
Datum: 1980/81
Größe: 2 Wandflächen

Die Aufnahme zeigt den Demonstrationzug im Wandbild
Bis zum Umbau des Zentralbereichs Ende der 1990er Jahre führte vom Mensateich eine breite Treppe zum Boulevard hinauf. Sie führte direkt auf den Pavillion neben der Mensa zu, in dem heute das Zentrale Prüfungsamt untergebracht ist. Wer die Treppe erklomm, sießen auf eine Gruppe demonstrierender Frauen. Auf ihren Transparenten waren keine Parolen zu sehen, sondern Bilder aus der europäischen Frauengeschichte. Es waren Szenen des Protestes gegen Hunger, Unterdrückung und Krieg. Täglich demonstrierten diese Frauen, denn sie waren auf die Wand gemalt. Eine Gruppe engagierter Studentinnen hatte das Wandbild im Herbst 1980 gemalt, um an politische aktive Frauen zu erinnern und historische Bezugspunkte für die „neue“ Frauenbewegung aufzuzeigen.
Die Aufnahme zeigt den historischen Teil des Wandbildes
Die historischen Ereignissen hatten die Malerinnen auf einer zweiten Wandfläche, die sich um die Ecke befand, collagenhaft dokumentiert: der Marsch Pariser Frauen nach Versailles am 5. Oktober 1789, die für Freiheit kämpfende Frau nach einem Bild von Eugéne Delacroix, Clara Zetkin und Rosa Luxemburg, zwei Vertreterinnen der Arbeiterinnenbewegung, im Gespräch, mehrere Bildzitate der Malerin Käthe Kollwitz und schließlich die Befreiung vom Faschismus 1945 mit dem Tor eines Konzentrationslagers als Motiv . Die gewählten Ereignisse verstanden die Malerinnen als Appell, öffentlich für die Rechte der Frauen, für Gleichberechtigung und Emanzipation sowie gegen Krieg und für den Frieden einzutreten. Der Bezug zur Gegenwart wurde mit dem Demonstrationszug hergestellt. Dieses Bild sollte an die Demo am 8. März 1980, dem Internationalen Frauentag, in Bremen erinnern. Einige der Teilnehmerinnen sind auf dem Bild porträtiert worden.
Marlis Glaser, Foto: Ellen Stückle 1980. - Bitte anklicken.
Initiiert wurde das Wandbild von der Malerin Marlis Glaser. Die Absolventin der Bremer Hochschule für Gestaltung machte Ende der 1970er Jahre an der Uni ein Zweitstudium und hatte bereits Erfahrung in der Wandmalerei. Die Idee entstand durch die Beschäftigung mit Bildquellen zur Französischen Revolution und konkretisierte sich in Diskussionen im Rahmen des interdisziplinären Projekts „Revolution und Restauration“ (1979-1980) sowie in Seminaren zu frauenbezogenen Themen. Glaser fand begeisterte Mitstreiterinnen, darunter weitere erfahrene Malerinnen wie Dorit Hillebrecht und Susanne Klockow. Entwurf für das Frauenwandbild von Marlis Glaser, Foto: Marlis Glaser 1980. - Bitte anklicken.
Die Gruppe stellte ihre Entwürfe zur Diskussion, fand Unterstützung im AStA-Frauenreferat und bei der Hochschulleitung und erhielt für ihr Vorhaben eine Förderung im Rahmen des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“. Als Malfläche fand sie zwei Wände in der Nähe der Mensa, an dem Gebäude in dem heute das Zentrale Prüfungsamt untergebracht ist.

Am 23. Januar 1981 wurde das Wandbild der Öffentlichkeit übergeben. Die Presse berichtete mit verhaltener Anerkennung, eine breite Resonanz an der Uni blieb aus. Doch das Bild provozierte, wurde von Anfang an bemalt und mit Plakaten beklebt. Mittlerweile ist es zerstört: übermalt, überbaut, besprüht und vergessen.

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