Kunst an der Universität Bremen · Murales Terror und Widerstand in Chile


Murales „Terror und Widerstand in Chile”

Standorte: Die ursprünglich drei Murales befanden sich 1. auf Attikaplatten an der Boulevardsüberdachung vor der Bibliothek sowie 2. im Treppenturm der Mensa und 3. an der Spitze des Turms auf dem Dach. Heute sind noch die Betonplatten mit dem verwitterten Motiv an der Südseite des Uni-Bads vorhanden sowie das als Erinnerungszeichen rekonstruierte Motiv am Gebäude GW 1, Block A.
KünstlerInnen: Original: Chilenische Wandmalgruppe „Brigada Luis Corvalán” und Bremer KunststudentInnen / Rekonstruktion: Jub Mönster
Datum: Juni 1976 / Juni 2014
Material: Wandflächen und Attikaplatte (Beton) ca. 21x3m / Rekonstruktion: 11x1,50 m

Das Bild zeigt das Wandbild „Widerstand und Repression in Chile” auf dem Boulevard vor der Staats- und Universitaetsbibliothek, aufgenommen von Marlis Glaser ca. 1976. - Bitte anklicken! Als erstes Kunstwerk an der Universität Bremen entstand im Juni 1976 ein mehrteiliges Wandbild zum Thema „Antifaschistischer Widerstand in Chile”, das auch unter dem Titel „Terror und Widerstand in Chile” bekannt ist. Es wurde im Rahmen einer Solidaritäswoche für Chile von der Künstlergruppe „Brigada Luis Corvalán” (BLC) gemalt. Ihr gehörten fünf bekannte chilenische KünstlerInnen an: Gracia Barrios, José Garcia, José Martinez, Guillermo Nuñez und José Balmes. Sie waren nach dem Militärputsch gegen die Regierung unter Präsident Salvador Allende am 11.9.1973 nach Europa geflohen und lebten in Frankreich im Exil. Einige von ihnen hatten schon in Chile politische Wandbilder (Murales) gemalt und setzten diese Aktionsform nun auch in verschiedenen westeuropäischen Ländern ein, um auf Verfolgung, Folter und Mord durch das Pinochet-Regime aufmerksam zu machen. So auch in Bremen, wo das erste Mural der BLC, die sich später in Brigada Pablo Neruda umbenannte, in Deutschland entstand.
In der Hansestadt und an der Universität gab es eine breite Solidaritätsbewegung für die Verfolgten der Miltitärdiktatur. Bereits im November 1973 hatte der Konvent in einer Resolution den Putsch scharf verurteilt und Maßnahmen zur Unterstützung geflohener ChilenInnen beschlossen (Konvent Beschluss). Außerdem bemühte sich die Universitätsleitung, Arbeitsplätze für emigrierte WissenschaftlerInnen aus Chile einzurichten (AS Beschluss).

Das Foto zeigt das Plakat fuer die Kunstausstellung im Ueberseemuseum im Juni 1976. - Bitte anklicken! Die Realisierung der Wandbilder wurde vom Bremer Senator für Bildung, Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Programms „Kunst im öffentlichen Raum” gefördert. Die Malaktion, an der auch Bremer StudentInnen der Hochschule für Gestaltung und der Universität teilnahmen, war eingebettet in eine Chile-Solidaritätswoche. Dazu gehörte auch eine Kunstausstellung im Überseemuseum, ein Solidaritätsfest des AStA sowie Vorträge von Exil-ChilenInnen über die Situation in Chile.

Das Bild zeigt den Treppenturm vor der Mensa mit dem strahlenden Gesicht der deutsch-chilenischen Freundschaft auf der Dachebene, aufgenommen von Marlis Glaser ca. 1976. - Bitte anklicken! Von den drei Murales ist heute nur noch eines erhaltenen, jenes auf den einstigen Attikaplatten. Die anderen Wandmalereien am Treppenturm vor der Mensa und auf dem Mensadach wurden 1997 z.T. durch einen Brand zerstört und im Rahmen der Neugestaltung der Mensa übermalt.
Das Bild zeigt das Wandbild „Widerstand und Repression in Chile” auf dem Boulevard vor der Staats- und Universitaetsbibliothek, aufgenommen von Marlis Glaser ca. 1976. - Bitte anklicken! Die Attikaplatten waren am Dach des Boulevards zwischen Studentenhaus und GW2 vor der Bibliothek angebracht. Sie wurden Ende der 1990er Jahre im Zuge der Sanierung des Boulevards abmontiert und auf die Böschung vor das Schwimmbad gelegt. Hier waren sie ungeschützt der Witterung ausgesetzt, so dass das Motiv mittlerweile sehr verblasst ist und z.T. auch übersprüht wurde. Das Bild zeigt die Attikaplatte vor der Suedseite des Unibades, aufgenommen im August 2006. - Bitte anklicken!
Auf Initiative des Archivs der Universität wurde daher in Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde und mit Unterstützung der Stiftung Wohnliche Stadt nach einer Möglichkeit gesucht, das Mural zu restaurieren und an einem anderen, geschützteren Ort auf dem Campus wieder aufzuhängen oder aufzustellen. Dieses Vorhaben konnte aus verschiedenen Gründen nicht realisiert werden, doch das Motiv wurde aus Respekt vor dem Werk der KünstlerInnen sowie zur Erinnerung an den historisch-politischen Entstehungszusammenhang rekonstruiert. Das Bild zeigt Jub Moenster waehrend der Rekonstruktion des Murals am Gw 1, aufgenommen im Mai 2014. - Bitte anklicken! Der Bremer Künstler Jub Mönster hat es im Frühsommer 2014 in kleinerem Maßstab (1:2) auf den Betonfries am Gebäude GW 1, Block A übertragen. Ergänzend ist im Auftrag des Universitätsarchivs im Foyer des Gebäudes eine Ausstellung mit Hintergrundinformationen zum Mural und der Brigada Luis Corvalán entstanden.

Bei den Murales handelte es sich um originär politisch motivierte Wandmalereien. Das noch erhaltene Wandbild ist in drei Hauptsequenzen unterteilt. Von links nach rechts betrachtet zeigt es:
  1. Den Aufbruch des chilenischen Volkes in den 1960er und 70er Jahren. Der schwarze Balken symbolisiert den militärischen und politischen Putsch in Chile im September 1973.
  2. Faschismus und Diktatur in Chile mit Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung politisch Andersdenkender. Der jüdische Junge aus dem Warschauer Ghetto ist ein historisches Symbol und dient als verbindendes Element für die deutschen BetrachterInnen.
  3. Eine Hand, die sich mit suchender Gebärde einem Gesicht entgegenstreckt, das Rebellion und Vertrauen auf die Befreiung des chilenischen Volkes vom Faschismus und den Sieg des Sozialismus verkörpert.
Im Universitätsarchiv sind viele weitere Dokumente zum Wandbild und zur Chile-Solidarität an der Universität sowie auch der Entwurf für die Rekonstruktion vorhanden. Außerdem hat die Pressestelle der Uni einen Kurzfilm über das Mural gedreht. Das Bild zeigt den Entwurf von Jub Moenster, aufgenommen im Mai 2014. - Bitte anklicken!


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