Kunst an der Universität Bremen · Catcher


Catcher

Standort: Östlicher Bereich des Universitäts-Boulevards
Künstler: Peter K. F. Krüger (*1945), Hauptmetier: Zeichnung und Malerei
Datum: 28. Oktober 1982
Material: Glasfaserverstärktes Polyester

Das Bild zeigt die Skulpturengruppe 'Die Catcher' von Peter K. F. Krüger. Sie stehen auf einem Metalltisch. Foto: Staedtische Galerie Bremen. - Bitte anklicken! Es handelt sich um zwei Figuren aus glasfaserverstärktem Polyester, welche Catcher oder Ringer in Gladiatorenkostümen darstellen. Sie stehen in einem angedeuteten Ring von 3x3 Meter Durchmesser auf einem Metalltisch. Die Figurengruppe wurde von Peter K. F. Krüger geschaffen und am 28. Oktober 1982 im östlichen Bereich des Universitäts-Boulevards, in unmittelbarer Nähe zum Sportbereich aufgestellt. Heute stehen die "Catcher“ dort nicht mehr. Offensichtlich animierten sie zu Vandalismus, denn sie wurden mehrfach beschädigt. Nur der Metalltisch mit dem angedeuteten Ring ist noch an seinem Platz. Um den Verbleib der Figuren ranken sich viele Geschichten. Diese reichen von den Kellern der Universität bis auf den Grund des Unisees. Wie das Universitätsarchiv im Winter 2012 erfuhr, lagerten sie in Wirklichkeit seit Jahren in einem Kellerraum unter dem Sportturm. Sie sind so arg ramponiert, dass sie nicht wieder aufgestellt werden können. Das Bild zeigt nur noch eine der beiden Catcherfiguren, da die andere bereits abmontiert wurde. Es handelt sich um den stehenden Catcher. Foto: Pressestelle Uni Bremen - Bitte anklicken!
Peter K.F. Krüger selbst gab seiner Skulpturengruppe das Thema „Weil sie Sportliebhaber sind“ und wird in einer Pressemitteilung des Bremer Senats vom 28. Oktober 1982 wie folgt zitiert: „Der Idee zu dieser Plastik liegt eine Satire von Ephraim Kishon zugrunde ‚Kurzer Lehrgang im Profiringen’. Sie soll den oft ‚tierischen’ Kampf zwischen den Sportlern (vielleicht auch nicht nur den Sportlern) symbolisieren, sowie auf die Lüsternheit des Publikums in Sachen Gewalt hinweisen.“ Es werden ein Gewinner und ein Verlierer dargestellt.
Krüger wollte die Figuren durch ihr Äußeres nicht in eine bestimmte historische Zeitspanne einordnen. Er mischte deshalb die Accessoires. Einer der beiden Kämpfer trägt moderne Kampfstiefel der Bundeswehr und der andere die Kappe eines amerikanischen Jet-Piloten. Die anderen Kleidungsstücke bzw. Rüstungsteile sind in japanischem Stil gehalten. Vorbilder dafür waren japanische Samurai. Das Bild zeigt den Metalltisch ohne die Catcherfiguren. Es sind lediglich noch die Eisenrohre, an denen die Figuren befestigt waren vorhanden. Foto: Universitätsarchiv Bremen. - Bitte anklicken!
Um eine visuelle Leichtigkeit in die Plastik zu bekommen, ließ Krüger den einen Kämpfer nur mit den Fingerspitzen den Boden berühren (Stahlrohr in der Handfläche) und er ist vorwiegend in weiß gehalten so das sein Körper im Licht transparent erscheint. Der andere Catcher steht auf beiden Beinen und macht eine ziehende Bewegung, mit der er seinen Kontrahenten scheinbar bezwingen will. Er wirkt als aktiver Part.

Titelblatt der Informationsmappe zum Kunstwettbewerb im Sportbereich an der der Universitaet Bremen 1975/1976. In einem oeffentlichen Colloquium am 10.06.1976 stellten die fuenf praemierten Kuenstler ihre Entwuerfe vor. Quelle: BUA, 2/PRESS-Nr. 972. - Bitte anklicken! Krüger hatte sich ursprünglich 1977 um die Umsetzung einer Idee des Bremer Kunst-Professors Klaus Warwas beworben. Dargestellt werden sollte mit einer Skulptur die weltbekannte Siegerehrungszeremonie des 200m-Endlaufs bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko. Bei dieser hatten die US-amerikanischen Läufer Tommie Smith (Gold) und John Carlos (Bronze) mit schwarzbehandschuhten Fäusten „Black Power“ demonstriert.
„Black Power“ war in den 1960er und 70er Jahren eine Bürgerrechtsbewegung in den USA, die sich für die Rechte der afro- amerikanischen Bevölkerung einsetzte. Black Power stand für schwarzes Selbstbewusstsein und eine Distanzierung zur weißen Gesellschaft, da diese, so die Erfahrung vieler AnhängerInnen der Bewegung, mehrheitlich keine Integration von AfroamerikanerInnen wollte.
Das Internationale Olympische Komitee stellte das Olympische Komitee der USA (USOC) vor die Wahl, entweder die beiden Athleten nach Hause zu schicken oder die ganze Leichtathletik-Mannschaft zurückzuziehen. Das USOC entschied sich dafür, Smith und Carlos aus dem amerikanischen Olympiateam auszuschließen.
Krüger erhielt im Sommer 1977 den Auftrag, von dieser Siegerehrung eine Plastik anzufertigen. Das Auftragsvolumen betrug ca. 80.000 DM. Krüger konnte den Auftrag jedoch nie realisieren. Ein Grund hierfür war die damalige innenpolitische Situation in der BRD. Angesichts der Terrors der Roten Armee Fraktion (RAF) und der Entführung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977, kam es in Deutschland zu einer teils hysterischen Debatte über SympathisantInnen der RAF. Verlangt wurde eine klare Distanzierung. In dieser Situation hielt es der Landesbeirat für "Kunst im öffentlichen Raum" auf seiner Sitzung am 14. September 1977 nicht für "angebracht, solch eine demonstrative Geste [des Widerstands] auf solch einem exponierten Platz aufzustellen." Als weiteren Grund nannte der damalige Wissenschaftssenator Horst Werner Franke den vermeintlich zweifelhaften Kunstcharakter der Plastik. Gegenüber dem Weser-Report erklärte er einige Tage später, er könne zwar den Kunstcharakter der Plastik als Laie nicht beurteilen und zudem erlaube Artikel 5 des Grundgesetzes dem Staat nicht, darüber zu urteilen, was Kunst sei und was nicht, jedoch habe ihm der Hamburger Kunstprofessor Werner Hoffmann in seiner Einschätzung beigepflichtet (Weser-Report vom 30.9.1977).
Krüger wurde von der Universität Bremen ein Ersatzprojekt in Aussicht gestellt. Dieses sollte dann die Catcher-Gruppe werden.

Universitätsarchiv Bremen
  © 2012 · Universitätsarchiv Bremen · E-Mailemail senden