Kunst an der Universität Bremen · 7 Thore


7 Thore

Standort: Hörsaalgebäude („Keksdose“) am östlichen Boulevard
KünstlerInnen: Manfred Nipp
Datum: 1988
Material: Metall, Papier
Größe: 21 Zink-Metallplatten (je 1,3m x 0,4m), 21 Schwarzweißdrucke (je 1,4m x 0,5m)


Ausgangspunkt des Projektes „7 Thore“ war die Rekonstruktion der räumlichen Lage dieser letzten Stadttore Bremens und die Übertragung dieser Standorte in das heutige Stadtbild. (Manfred Nipp: Zum Projekt „7 Thore“, Bremen 1989)

Der Titel „7 Thore“ bezieht sich auf die bis zum 19. Jahrhundert vorhandenen Stadttore Bremens. Das Bild zeigt den Künstler Manfred Nipp bei der Projektplanung am Hohentor in Bremen. Foto: Sabine Straßburger, 1988 - Bitte anklicken! Der Künstler Manfred Nipp hat an den Standorten dieser Tore jeweils drei Metallplatten in Tor-Form (U-Form) in den Boden eingelassen. Die Öffnung der Tore zeigte stadtauswärts und sollte somit die Öffnung der Stadt nach außen symbolisieren. Von Januar bis Mitte Mai 1988 waren die Zinkplatten der Witterung sowie den Einflüssen durch Passanten ausgesetzt, die somit Spuren hinterließen. So konnte durch eine „künstlerische Spurensicherung“ die unterschiedliche Frequentierung und damit Bedeutsamkeit der verschiedenen Standorte dokumentiert werden.

Vor Ort wurden durch das Auftragen von verschiedenen Farben auf die Platten zunächst Vordrucke hergestellt. Nach Entfernung der „Thore“ wurde im Atelier ein zweiter Druck erstellt, der anschließend für die Hängung verwendet wurde. Aus dem Projekt „7 Thore“ entstanden 21 Metallplatten sowie 21 Schwarzweißdrucke. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“ gefördert.

Im Frühjahr 1989 brachte Manfred Nipp die Metallplatten und Drucke im neugebauten Hörsaalgebäude der Universität Bremen, der sogenannten Keksdose, an. Sechs Tore sind im Foyer Boulevard dokumentiert, eines, das „Buntethor“, am Eingang Enrique-Schmidt-Straße. Dort informiert jeweils eine Tafel die Besucherinnen und Besucher über die Entstehungsgeschichte des Projekts „7 Thore“.

Bedauerlicherweise sind heute - 2018 - vier der 18 Schwarzweißdrucke nicht mehr vorhanden. Vermutlich wurden sie entwendet. Dank einer großzügigen Überlassung der Bremer Künstlerin Sabine Straßburger sieht sich das Universitätsarchiv absehbar in der Lage, die fehlenden Exemplare zu ersetzen.

Die Bremer Stadttore stammen aus dem 13. Jahrhundert (Heerden-/ Oster-/ Ansgarii-/ Stephani- und Dovethor) bzw. dem 17. Jahrhundert (Hohe- und Bunthethor), mussten jedoch spätestens im 19. Jahrhundert den städtebaulichen Neuerungen weichen. Wo vor 200 Jahren noch der Schutz und die Begrenzung der Stadt von Bedeutung waren, findet man heute teilweise Parks und Gartenlandschaften, die der Bremer Bevölkerung nun neue Nutzungsmöglichkeiten bieten. Straßennamen, wie Ansgaritorstraße oder Doventorsteinweg, und Ortsteile, wie Buntentor oder Hohentor, lassen auf die historische Befestigungsanlage schließen.

Auf dem Stadtplan aus dem Jahr 1641 sind die sieben ehemaligen Stadttore farblich markiert.

Das Kunstwerk von Manfred Nipp erinnert somit einerseits an die historischen Standorte der Stadttore und spannt andererseits den Bogen zur damaligen und heutigen Bedeutung der Wege und Plätze in ihren jeweiligen Funktionen und Nutzungsformen. Manfred Nipp hat mit dieser Arbeit einmal mehr den öffentlichen Raum sowohl in künstlerischer als auch intellektueller Weise souverän aufgenommen, gespiegelt, hinterfragt und eigenständig interpretiert.

Camillo Ritter alias shedidalotofacid hat einen Kurzfilm über Manfred Nipp gedreht. Über Nipps künstlerisches Werk findet er folgende Worte: „Nipps Arbeiten sind bildnerische Produkte der Arbeit des Gedächtnisses, sind Vergegenständlichungen der Erinnerung. Die entstehenden grafischen und malerischen Zeichen und Spuren liefern den Anstoß zu einer Auseinandersetzung mit dem, was wir Realität nennen.“

Informationen zum Künstler

Das Bild zeigt den Künstler Manfred Nipp im Jahr 2015. Foto: Sabine Straßburger, 2015 - Bitte anklicken! Manfred Nipp wurde 1951 in Hamburg geboren. Seine künstlerische Ausbildung absolvierte er in den siebziger und achtziger Jahren an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg sowie der Universität Bremen, an der er von 1995 bis 1997 einen Lehrauftrag für Zeichnung innehatte. Er hat in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen seine Kunst präsentiert. Zudem ist Manfred Nipp Preisträger des Internationalen Preises für Bildende Künste, Aar-schot/Belgien, der Grafik-Edition der Deutschen Kahnweilerstiftung, Rockenhausen, und der Art for Expo der Nord/LB, Hannover. Manfred Nipp verstarb am 30. November 2016 in Bremen.


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