Kunst an der Universität Bremen · Landschafts-Garten


Landschafts-Garten

Standort: Westlicher Teil des heutigen Campus-Parks, an der Diagonale zwischen dem Studentenwohnheim an der Mensa und dem GW 1 (heute Tönjes-Vagt-Weg)
Künstler: Louis Guillaume le Roy (1924-2012), Architekt und "Öko"-Pionier
Datum: 1980 (Überreste bis 2009)
Material: Bauschutt, Wildwuchs, Pflanzen

Das Foto zeigt die Schuttabladung, Pressestelle Universität Bremen 1980. - Bitte anklicken! Der niederländische Architekt Louis Guillaume le Roy hielt am 28.11.1978 an der Universität Bremen unter dem Titel „Ökologisches Kabarett“ einen Vortrag zu Umweltschutzfragen. Diese Rede war für die „Beratergruppe Kunst im Universitätsbereich“ die „Initialzündung zu einer Zusammenarbeit“ für die Gestaltung des Freiraums südwestlich des Boulevards. Initiert hatte den Vortrag der damalige Senatsdirektor beim Bremer Senator für das Bauwesen, der Architekt Eberhard Kulenkampff. Das Foto zeigt das Abladen des Schutts, Foto: Pressestelle Universität Bremen 1980. - Bitte anklicken!
Nach zweijähriger Planungsphase wurde im Winter 1980 westlich des Mensateichs in Richtung Stadtwald Erde und Material aus Gebäudeabrissen angefahren. Damit plante der Künstler - wie schon in anderen Städten - ein interaktives Vorhaben. Es war darauf angelegt, Studierende und andere Aktive an der Gestaltung und Bepflanzung des Walls zu beteiligen. Nach den Vorstellungen le Roys und der Beratergruppe sollte ein Landschaftsgarten im Wechselspiel von Gestaltung und natürlichem Vegetationsprozess entstehen.
Das Foto zeigt den Wall aus Bauschutt und im Hintergrund das Gebäude MZH, Foto: Pressestelle Universität Bremen 1980. - Bitte anklicken! In der Presse wurde der Versuch, die „Betonwelt der Uni-Bauten“ mit Abbruchgemäuern und Pflasterresten aufzulockern, spöttisch als „Schuttberg“ oder „Denkmal aus Dreck“ bezeichnet.
Die FDP-Bürgerschaftsfraktion verurteilte die Aktion als Geldverschwendung, da die 200 000 DM, finanziert aus Mitteln für Kunst im öffentlichen Raum der Senators für das Bauwesen und des Wissenschaftssenators, für sinnvollere Vorhaben hätten ausgeben werden können. Auf einem Flugblatt des Studiengangsausschusses Kunst/Musik wurde der "Schrotthaufen" gar mit "Zynismus und Menschenverachtung" in Verbindung gebracht. Die Studierenden wollten "nicht im Müll herumklettern", sondern die Studienbedingungen zum Beispiel durch ausreichende Fotolaborplätze oder Klavierübungsräume verbessert wissen.


Das Foto zeigt im Hintergrund Reste des begrünten Walls und das BITZ-Gebäude, im Vordergrund steht der Anfänglich beteiligte sich eine Ökologiegruppe, bestehend aus Studierenden und Mitarbeiter*innen der Universität, an der Gestaltung. Das Interesse der Studierenden ließ jedoch bald nach und auch der Planer le Roy stieg aus privaten Gründen nach wenigen Besuchen in Bremen aus. Daher schlief das Vorhaben nach zwei Jahren ein, obwohl es auf zehn Jahre angelegt war. Rasch breitete sich eine wilde und bunte Mischung einheimischer und - bedingt durch das besondere Mikroklima - mediterraner Pflanzen auf dem brachliegenden Hügel aus und erfüllte eine wesentliche Absicht des Künstlers, nämlich die „Natur einzuschalten“ (so auch der Titel eines seine Bücher: Natur ausschalten – Natur einschalten, 1978). Als Mitte der 1980er Jahre der Neubau für das Bremer Innovations- und Technologiezentrum errichtet wurde, trugen Bagger den Landschaftsgarten größtenteils ab. Die überwucherten Reste dieses Kunst-Werks und Kleinbiotops verschwanden schließlich 2009 mit der Umgestaltung des Campus-Parks und dem Bau der Galileo-Residenz.


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