Kunst an der Universität Bremen · Justitia


Justitia

Standort: GW 1, Eingangsbereich zwischen den Blöcken B und C
Künstler: Bildhauerwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt Bremen
Datum: Januar 1994
Material: Beton, schwarz gefärbt

Das Foto zeigt die Skulptur &bdquoJustitia”, aufgenommen im Dezember 2015. - Bitte anklicken! Am 19. Januar 1994 wurde beim großen Treppenaufgang im Gebäude GW 2, wo zu jener Zeit der Fachbereich Rechtswissenschaft angesiedelt war, die Skulptur „Justitia" enthüllt. Diese Skulptur entstand in der Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Bremen unter der Leitung von Hans-Joachim Kampa und Walter Peter und in Kooperation mit dem Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Bremen. 1997 wurde die Trägerschaft für die Bildhauerwerkstatt dem neu gegründeten Verein „Mauern öffnen e.V.“ übergeben, der die künstlerische Arbeit mit Inhaftierten fortführt.
Überreicht wurde die „Justitia“ der Universität Bremen durch den „Verein für Rechtshilfe im Justizvollzug des Landes Bremen e.V.“. Dieser wurde 1977 im Anschluss an ein Projekt des Fachbereichs Rechtswissenschaft ins Leben gerufen und führt seitdem studentische Rechtsberatung für Insassen der bremischen Vollzugsanstalten durch. Die Aufstellung der Skulptur sollte auf diese Kooperation zwischen Universität und Justizvollzug aufmerksam machen und den Studierenden der Rechtswissenschaft eine künstlerisch-kritische Darstellung der Justiz durch einen Betroffenen demonstrieren.
Im GW 2 sollte die Skulptur jedoch nicht lange bleiben. Noch im selben Jahr zog der Fachbereich Rechtswissenschaft zurück ins Gebäude GW 1, wo er bereits bis 1982 beheimatet gewesen war. Die „Justitia“ zog mit um und wurde vermutlich an ihrem heutigen Standort platziert, im Eingangsbereich zwischen den Blöcken B und C. Dort wurden im Jahre 2007 die Wandflächen von Edeltraut Rath mit dem mehrteiligen Wandbild „Recht und Gerechtigkeit” neu gestaltet, das der „Justitia“ nun ein thematisch passendes Umfeld bietet.

Eine Interpretation

Das Bild der Justitia als Personifikation der Gerechtigkeit ist in der Kunst geprägt durch drei Attribute: Eine Augenbinde soll verdeutlichen, dass das Recht unabhängig von äußeren Merkmalen der angeklagten Person gesprochen wird; in der linken Hand hält Justitia eine Waage, welche das sorgfältige juristische Abwiegen des Sachverhalts symbolisiert, und in der rechten ein Schwert, das die notwendige Strenge verbildlicht, mit der die Rechtsprechung erfolgen soll.

Das Foto zeigt Kopf und Oberkörper der Skulptur „Justitia” aufgenommen im Dezember 2015. - Bitte anklicken! Die „Justitia“ im GW 1 hält ebenfalls eine Waage in der linken Hand, allerdings fehlen schon seit vielen Jahren die beiden Waagschalen, nur die Tragstange ist noch vorhanden. An den Enden der Stange befindet sich jeweils ein Paragraphenzeichen. Auffällig ist hierbei die goldene Färbung der Stange, während der Rest der Skulptur in Schwarz gehalten ist, wodurch der Fokus auf die (leider fehlende) Waage gelenkt werden soll.
Das Foto zeigt die Skulptur &bdquoJustitia”, aufgenommen im Dezember 2015. - Bitte anklicken! In der rechten Hand hält „Justitia“ kein Schwert, sondern einen recht prall gefüllten Beutel, der allerdings keinen konkreten Schluss über seinen Inhalt zulässt. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass sich darin eine große Menge Geld befindet. Die Augenbinde, die „Justitia“ trägt, verdeckt nur das rechte Auge, während das linke deutlich hervorschaut. In ihrer Mimik lässt sich ein Grinsen erkennen, welches aufgrund des linken hochgezogenen Mundwinkels hämisch und überlegen wirkt.
„Justitias“ rechter Fuß stützt sich auf zwei am Boden liegende Bücher, die in weißen Buchstaben mit „StPO“ (Strafprozessordnung) und „Verfassung“ beschriftet sind. Unter ihrem rechten Arm hält sie eine Tafel mit der ebenfalls weißen Aufschrift „Justiz, Institution, Baupläne“. Darüber hinaus steht sie auf einem kleinen Sockel, auf dem in goldenen Buchstaben der lateinische Spruch steht: „Jura novit curia, mundus vult decipi.“ (zu Deutsch: „Das Gericht kennt das Recht, die Welt will getäuscht werden.“).


Das Foto zeigt den lateinischen Spruch auf dem Sockel, auf dem die Skulptur „Justitia”, aufgenommen im Dezember 2015. - Bitte anklicken! Die „Justitia“ im GW 1 wurde von einem Menschen erschaffen, der eigene Erfahrungen mit der deutschen Justiz gemacht hat. Als Verkörperung der deutschen Rechtsprechung liefert seine "Justitia" insgesamt ein deutliches Bild: Da ihr linkes Auge nicht unter der Augenbinde verborgen ist, kann sie die äußeren Merkmale der Angeklagten sehen und sich von ihnen beeinflussen lassen. Statt durch ein Schwert mit der nötigen Härte bei der Rechtsprechung vorzugehen, lässt sie sich mit Geld bestechen und Urteile erkaufen. Strafprozessordnung und Verfassung tritt sie mit Füßen. Das Fehlen der Waagschalen, welches ursprünglich nicht durch den Künstler eingeplant war, ergänzt sogar noch dieses Bild, da hierdurch die gerechte Abwägung des Tatbestands nicht erfolgen kann. Der lateinische Spruch impliziert schließlich, dass allein das Gericht über das entscheidet, was als „Recht“ zu gelten hat, und die Gesellschaft diese Entscheidungen des Gerichts bewusst nicht hinterfragt, sondern als gegeben annimmt.


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