Kunst an der Universität Bremen · Das Gender-Klo im GW 2


Das Gender-Klo im GW2

Standorte: GW2, 3. Stockwerk, Kunstbereich, D+H-WC (Gender) 3860/65
KünstlerInnen: Kunststudierende und Hochschullehrende, vor allem die Kunstdozentin Yolanda Feindura
Datum: unbekannt, vermutlich ab ca. 2000 als Unisex-Toilette benutzt und in den nächsten Jahren künstlerisch gestaltet

Das Bild zeigt den 
Eingang der Toilette mit der Wölfin im Kleid, aufgenommen von Thomas Harsha Kreutz 2015. - Bitte anklicken! Hinter einer gelben Tür mit der Zeichnung einer Wölfin im Kleid befindet sich im 3. Stockwerk des GW2 das kontrovers diskutierte „Gender-Klo“. Ähnlich kurios wie der Eingang, ist auch der Innenbereich dieser Toilette. Überall sind künstlerische Abbildungen und Zeichnungen platziert, die einem direkt ins Auge springen. An der Wand, wo die Pissoire angebracht sind, befindet sich eine lange Fotocollage, die Menschen zeigt, wie sie die Toilette benutzen. Teilweise sind hier Frauen in männlich konnotierten und Männer in weiblich konnotierten Kleidungen zu sehen.
Daneben ragt die Abbildung eines großen, grünen und grimmig schauenden Teddybären. Unter dem Teddybären sind die Hauptprotagonisten des Filmes „Blues Brothers“ aus dem Jahr 1980 abgebildet. In dieser Toilette sind verhältnismäßig noch mehr Aufkleber angebracht als in den anderen Toiletten in der Universität Bremen. Diese Sticker kommen meist aus linkspolitischen Zusammenhängen und behandeln vor allem Themen wie Feminismus, Rassismus und Homophobie aber vereinzelt auch Anarchismus und Veganismus. Das Gender-Klo bildet eine Kuriosität an der Uni Bremen, welches sich jedoch seit Jahren als Teil der Universitätskultur im behauptet hat. Es handelt sich dabei sowohl um die einzige Unisex-Toilette auf dem Campus als auch ein Ort künstlerischer Tätigkeit.

Das Foto zeigt die Wand mit den Pissoire, den Teddy und den Blues Brothers, aufgenommen von Thomas Harsha Kreutz 2015. - Bitte anklicken! Die Kritik an zweigeschlechtlichen Toiletten reicht zurück bis in die 1960er Jahre. Grundlegend für diese Ablehnung ist die Kritik an herkömmlichen Geschlechtskonzeptionen. Demnach ist die Kategorie Geschlecht keine natürliche Zuordnung von Menschen, sondern gesellschaftlich konstruiert. Bestimmte Eigenschaften werden entweder Männern oder Frauen zugeschrieben und so eine künstliche Binärität erzeugt. Ein Ausdruck dessen sind auch die geschlechtsunterschiedlichen Toiletten, so die Kritiker*innen. Zudem diskriminiere diese Art der Toilettenzuweisung Trans- und Intersexuelle, die sich jedes Mal für eine Toilette entscheiden müssen, da sie sich selbst oft weder als Männer noch als Frauen definieren oder von der Gesellschaft nicht als solches akzeptiert werden.

Das Bild zeigt den Eingangsbereich mit den Waschbecken und den vielen Aufklebern, aufgenommen von Thomas H. Kreutz 2015. - Bitte anklicken! Das Gender-Klo im GW2 entstand Anfang der 2000er Jahre. An seinem Standort, im Bereich der Kunstwissenschaftler*innen, existierte nur diese eine Toilette, die als Männertoilette konzipiert worden war. Sie wurde jedoch „aus Not“ ebenfalls seit Jahren von den mehrheitlich weiblichen Kunststudent*innen und Lehrenden benutzt. Allmählich machte sich Ärger breit, da einige Personen die Toilette nur als reine Männertoilette beibehalten wollten. Dem widersetzten sich jedoch die Kunststudent*innen, die die Toilette nun erst recht als Gender-Klo umfunktionierten und den Innenbereich künstlerisch gestalteten. Die Künstlerin und Hochschullehrende Yolanda Feindura rief zu diesem Zeitpunkt ein Projekt ins Leben, das die künstlerische Ausgestaltung des Gender-Klos weiter vorantreiben sollte. Die eingangs erwähnte Fotoreihe von den Personen, welche die Toilette benutzen, entstand so etwa ebenfalls auf Initiative Feinduras. Heute ist es um das Gender-Klo ruhiger geworden. Es wird im GW2 von Menschen unabhängig vom Geschlecht genutzt und erfährt im Gegensatz zu vergangenen Zeiten auch keine Beschädigungen der künstlerischen Werke. Personen von außerhalb sind oft zunächst verwundert, wenn sie das Gender-Klo zum ersten Mal betreten. Abgesehen von den Kunstwerken irritiert sie es auch, dort Personen anderen Geschlechts zu sehen. Häufig kommt dann die Nachfrage „Ehm, ist das eigentlich eine Männer- oder Frauentoilette?“ Die korrekte Antwort müsste lauten: „Sowohl als auch und außerdem eine Kunstausstellung.“

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